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Visier - 3/2004
Waffensprengung mit Folgen

Auf dem Schießstand "Jakobsberg" bei Boppard (Rheinland-Pfalz) ereignete sich am 10. Januar beim Einschießen einer Blaser-Repetierbüchse R93 Offroad (Waffennummer 9/36148) im Kaliber .300 Weatherby Magnum ein folgenschwerer Unfall. Nach Angaben des Geschädigten und dreier Zeugen kam es beim fünften Schuß aus noch ungeklärten Gründen zu einer Waffensprengung. Dabei bekam Albrecht H., der die Büchse von Haribo-Geschäftsführer Dr. Hans Riegel einschoß, den Verschluß der Waffe ungebremst ins Gesicht. Er erlitt schwerste Verletzungen im Gesicht und an der rechten Hand. Während Albrecht H. in die Notaufnahme nach Koblenz gebracht wurde, beschlagnahmte die Polizei sofort Waffe und Munition. Ein erstes Telefonat mit dem Opfer und den anwesenden Zeugen bestätigte, daß Fabrikmunition der Marke Weatherby verwendet worden war. Am 26. Januar erklärte Klaus Nieding von der Frankfurter Rechtsanwalts-AG Nieding+Barth im Auftrag seines Mandanten Albrecht H.: "...kann ich aber mitteilen, dass nach den mir bekannten Aussagen von Zeugen, die bei dem Unfall unmittelbar zugegen waren, ausschließlich mit Fabrikmunition geschossen worden ist. "

Am selben Tag erreichte die VISIER-Redaktion ein Schreiben des Blaser-Geschäftsführers Bernhard Knöbel – hier einige Auszüge: " Am 22.01.2004 konnte ich...mit Genehmigung der Staatsanwaltschaft Koblenz die Waffe...besichtigen. Die Waffe zeigte plastische Verformungen im Verriegelungsbereich, insbesondere zwei deutliche Risse beginnend am hinteren Laufende, sowie pulverisiertes Messing im gesamten Verriegelungsbereich, plastische Verformungen des Verschlusskopfes sowie massive plastische Verformung der Verriegelungselemente. Die Kurvenscheibe, welche den Verschluss im verriegelten Zustand zusätzlich an einer gehärteten Stahlplatte abstützt, wurde abgerissen. So auch die rechte Verschlussführungsschiene. In mit der DEVA...durchgeführten Testreihen wurde der Gasdruck der R93 bis auf annähernd 8.000 bar gesteigert, dabei ließ die Maßkontrolle der Außenkontur des Laufes im Bereich des Patronenlagers keine Veränderungen erkennen. Auch zeigten die Verriegelungselemente keinerlei Anzeichen von Deformation. Ohne den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vorgreifen zu wollen, sind wir nach gewissenhafter Begutachtung zu dem Ergebnis gelangt, dass es sich bei der beschädigten Waffe eindeutig um einen Gewaltschaden aufgrund massiv überhöhten Gasdrucks handelt...gehen wir davon aus, dass die Ursache des Unfalls somit muntionsbedingt war und keinesfalls der Waffe angelastet werden kann. ...Es gibt,...,bisher nur extrem wenige Schadensfälle, bei denen es aufgrund von unzulässigem, weit überhöhtem Gasdruck zu einer Waffenbeschädigung bzw. Waffenzerstörung kam. Hierzu gibt es Gutachten von unterschiedlichen Instituten mit eindeutiger Aussage: Es wurde in keinem der Fälle eine waffenseitige Schadensursache festgestellt."

Wie die Koblenzer Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte, soll ein bei der DEVA (Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V.) in Auftrag gegebenes Gutachten nun klären, wie es zu der Waffensprengung kommen konnte.